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Welche Prozessdaten sollten zur lückenlosen Chargenrückverfolgung erfasst werden?

Für eine belastbare Chargenrückverfolgung müssen Material-, Prozess-, Qualitäts- und Logistikdaten so verknüpft sein, dass sich jede Endproduktcharge zu ihren eingesetzten Rohstoffchargen zurückverfolgen lässt und umgekehrt. Diese Vorwärts- und Rückwärtsverfolgung ermöglicht es, betroffene Chargen bei Abweichungen gezielt einzugrenzen, statt vorsorglich ganze Produktionszeiträume oder Produktfamilien zu sperren.

Auf der Materialseite sind Lieferant, Lieferantencharge, interne Chargen- oder Losnummer, Wareneingang, Prüf- und Freigabestatus, Lagerort sowie die tatsächlich verwendete Menge je Produktionscharge erforderlich. Hinzu kommen die freigegebene Rezeptur- oder Stücklistenversion, die Rohstoffidentifikation – etwa per Barcode, RFID (Radio-Frequency Identification) oder DataMatrix – und bei relevanten Materialien Angaben zu Lagerzeit, Verfallsdatum sowie First-in-first-out- oder First-expired-first-out-Strategien. First in, first out bedeutet, dass zuerst eingelagerte Ware zuerst verbraucht wird; First expired, first out priorisiert Materialien mit dem frühesten Verfallsdatum.

Für den Herstellprozess sollten die Anlage, das verwendete Equipment, die Rezepturversion, die beteiligten Bediener und die Zeitstempel aller wesentlichen Prozessschritte dokumentiert werden. Dazu gehören Beschickung, Dosierung, Mischen, Entleeren, Reinigung, Produktwechsel und Freigaben. Relevante Prozessparameter sind abhängig von der Anwendung, beispielsweise Temperatur, Druck, Durchfluss, Drehzahl, Drehmoment, Mischzeit, Dosiermengen, Energieeintrag und Feuchte. Ebenso wichtig sind Soll-Ist-Abweichungen, Alarme, Stillstände, manuelle Eingriffe und Parameteränderungen mit Benutzerkennung, Zeitpunkt und Begründung.

Nicht jede verfügbare Messgröße muss dauerhaft gespeichert werden. Erfasst werden sollten vor allem Daten, die für Qualität, Sicherheit, Prozessfähigkeit, Ursachenanalyse oder regulatorische Anforderungen relevant sind. Dazu können auch Umgebungsbedingungen wie Temperatur, Luftfeuchte, Hygiene- oder Reinraumstatus sowie die zum Chargenzeitraum gültigen Software-, Rezeptur- und Kalibrierstände gehören. Wartungsereignisse sind nur dann direkt chargenrelevant, wenn sie den Prozess, die Messfähigkeit oder die Produktqualität beeinflussen könnten.

Die Qualitätsdaten müssen den Bezug zwischen Prozess und Freigabe herstellen. Dazu zählen Inprozessprüfungen, Laborergebnisse, Probenahmepläne, verwendete Prüfmittel, Freigabestatus, Abweichungen, Nacharbeit, Ausschuss und dokumentierte Maßnahmen. Statistical Process Control, kurz SPC, bezeichnet die statistische Überwachung von Prozessdaten; Kennzahlen wie Prozessfähigkeitsindizes können sinnvoll sein, sind aber nicht für jede Chargenproduktion erforderlich. Entscheidend ist, dass die Prüfstrategie und die Akzeptanzkriterien zum Produkt und zum Risiko passen.

Für die Rückverfolgung nach der Herstellung sind Verpackungs-, Lager- und Versanddaten nötig. Dazu gehören Verpackungs- und Kennzeichnungsdaten, die Zuordnung von Charge zu Gebinde, Palette oder Container, Auslieferungsdatum, Lieferdokumente, Empfänger und gegebenenfalls Transportbedingungen. In der Lebensmittelwirtschaft verlangt das europäische Recht grundsätzlich, dass Unternehmen den unmittelbaren Lieferanten und den unmittelbaren Abnehmer eines Produkts identifizieren können. Dieses Prinzip wird als „one step back, one step forward“ bezeichnet; weitergehende Anforderungen können je nach Produkt und Rechtsrahmen gelten.

Die Daten sollten in einem elektronischen Chargenprotokoll oder einem gleichwertigen System zusammengeführt werden. Ein Manufacturing Execution System, kurz MES, kann die operative Produktionssteuerung und Chargendokumentation unterstützen; ein Supervisory Control and Data Acquisition System, kurz SCADA, dient der Überwachung und Datenerfassung technischer Prozesse. Ein Enterprise Resource Planning System, kurz ERP-System, verwaltet unter anderem Aufträge, Materialien und Logistik. Entscheidend ist nicht das einzelne System, sondern die eindeutige, vollständige und dauerhaft nachvollziehbare Verknüpfung der Daten über Systemgrenzen hinweg.

In regulierten Umgebungen müssen die Daten gegen Verlust, unbefugte Änderung und unbemerkte Löschung geschützt sein. EU-GMP-Anhang 11 verlangt unter anderem, dass gespeicherte Daten auf Zugänglichkeit, Lesbarkeit und Genauigkeit geprüft werden und während der gesamten Aufbewahrungsfrist verfügbar bleiben. Audit Trails und relevante Metadaten müssen über die festgelegte Aufbewahrungsdauer geschützt werden. Die konkrete Aufbewahrungsfrist ergibt sich nicht allgemein aus der Chargenrückverfolgung, sondern aus Produktart, Vertragsanforderungen und dem jeweils geltenden Recht. Eine pauschale Frist von 10 bis 15 Jahren ist daher nicht belastbar. Auch 21 CFR Part 11 legt nicht selbst für alle Fälle eine einheitliche Aufbewahrungsdauer fest, sondern ergänzt jeweils anwendbare Fachvorschriften zu elektronischen Aufzeichnungen und Signaturen.

Zusammenfassung

Eine vollständige Chargenrückverfolgung verbindet Rohstoff- und Lieferantendaten, Rezeptur- und Prozessdaten, Qualitäts- und Freigabeinformationen sowie Verpackungs- und Versanddaten über eine eindeutige Chargenkennung. Besonders wichtig sind die tatsächlich eingesetzten Rohstoffmengen, Zeitstempel kritischer Prozessschritte, relevante Soll-Ist-Abweichungen, Bedienereingriffe und die Zuordnung der Endproduktcharge zu Empfängern oder Lagerorten. Datenumfang und Aufbewahrungsdauer müssen risikobasiert sowie produkt- und regelwerksbezogen festgelegt werden; allgemeine Langzeitfristen sind nicht für jede Branche gültig.

Industrie-4.0-Integration bei amixon®: Rezepturen, Datenanbindung und Rückverfolgbarkeit

Eine lückenlose Chargenrückverfolgung entsteht nicht allein durch eine SPS-Steuerung, einen Barcode-Scanner oder die Verbindung zu einem ERP-System. Entscheidend ist die durchgängige Verknüpfung von Rohstoff, Rezeptur, Verwiegung, Prozessführung, Qualitätsdaten, Abweichungen und Austrag. Die Mischanlage liefert dabei einen wichtigen Teil der Prozessdaten; für eine vollständige Rückverfolgung müssen jedoch auch vorgelagerte Systeme wie Wareneingang, Lager, Dosierung und Verwiegung sowie nachgelagerte Systeme wie Verpackung, Lager und Versand eingebunden sein.

amixon® Mischer können mit einer speicherprogrammierbaren Steuerung, kurz SPS, ausgerüstet werden. In der SPS können Mischprogramme hinterlegt werden, beispielsweise Mischzeit, Drehzahl, Dosierfolge, Temperaturprofil, Füllgrad und weitere projektspezifische Parameter. Die SPS ermöglicht eine reproduzierbare Ausführung freigegebener Prozessschritte. Sie dokumentiert jedoch nicht automatisch alle Informationen, die für eine lückenlose Chargenverfolgung erforderlich sind. Insbesondere Rohstoffherkunft, Lieferantenchargen, Prüf- und Freigabestatus, tatsächliche Einwaagen, Verpackungsdaten und Empfängerinformationen müssen aus weiteren Systemen eingebunden werden.

Eine Anbindung an das Enterprise Resource Planning System, kurz ERP-System, kann projektspezifisch vorgesehen werden. Ein ERP-System unterstützt unter anderem Materialwirtschaft, Auftragsverwaltung und Logistik. Barcode-Scanner können helfen, Rohstoffe, Gebinde, Rezepturversionen und Produktionschargen eindeutig zu identifizieren. Dadurch lassen sich Rezeptur, Charge und ausgewählte Prozessparameter miteinander verknüpfen. Eine belastbare Rückverfolgbarkeit setzt jedoch voraus, dass der Barcode-Prozess organisatorisch abgesichert ist, alle Materialien tatsächlich gescannt werden, Fehlscans erkannt werden und die Systemdaten zeitlich korrekt mit der jeweiligen Charge verbunden bleiben.

Welche Prozessdaten erfasst und an übergeordnete Systeme übergeben werden, wird bei amixon® projektspezifisch auf Grundlage der User Requirement Specification, kurz URS, definiert. Die URS ist die dokumentierte Anforderungsspezifikation des Betreibers. Je nach Mischaufgabe können dazu beispielsweise Mischzeit, Drehzahl, Drehmoment, Temperatur, Feuchte, Druck, Vakuum, Füllstand, Dosiermengen, Laufzeiten, Zyklen, Alarmmeldungen und Bedienereingriffe gehören. Dabei ist nicht die Menge der gespeicherten Daten entscheidend, sondern ihr Bezug zu Qualität, Sicherheit, Ursachenanalyse und regulatorischen Anforderungen.

Drehmoment, Temperatur oder Feuchte können wichtige Hinweise auf den Prozessverlauf liefern, sind jedoch nicht automatisch ein direkter Nachweis für Mischgüte oder Produktqualität. Ihre Aussagekraft muss für die konkrete Rezeptur, die eingesetzten Rohstoffe und den jeweiligen Mischer durch Versuche, Prozessverständnis und geeignete Qualitätsdaten abgesichert werden. Auch eine Prozessdatenerfassung ersetzt keine Laborfreigabe oder produktbezogene Qualitätsprüfung, wenn diese für das Produkt erforderlich ist.

Die Übergabe von Daten an ein Manufacturing Execution System, kurz MES, ein Prozessleitsystem oder ein ERP-System muss im Projekt technisch und organisatorisch beschrieben werden. Ein MES unterstützt die Produktionssteuerung, Chargendokumentation und Datenerfassung. Für eine nutzbare Chargenhistorie müssen Chargen-ID, Produkt-ID, Rezepturversion, Zeitstempel, Anlagenkennung, Soll- und Istwerte, Benutzeraktionen, Abweichungen und Freigaben eindeutig zusammengeführt werden. Ebenso wichtig ist ein definierter Umgang mit Kommunikationsunterbrechungen, fehlenden Daten, manuellen Nachträgen und nachträglichen Korrekturen.

Betriebsdaten wie Laufzeiten, Zyklen, Chargenzahlen, Drehmomentverläufe, Motorstrom, Temperatur, Schwingungen und Störmeldungen können zusätzlich für die zustandsorientierte Instandhaltung genutzt werden. Diese Methode wird auch Condition Monitoring genannt. Sie kann helfen, Veränderungen am Antrieb, an Lagern, Dichtungen oder Austragsorganen früher zu erkennen. Predictive Maintenance, also vorausschauende Instandhaltung, benötigt darüber hinaus ausreichende Datenqualität, bekannte Ausfallbilder, nachvollziehbare Warnkriterien und eine Instandhaltungsorganisation, die aus Hinweisen konkrete Maßnahmen ableitet. Laufzeit- und Chargendaten allein reichen dafür nicht aus.

Bei vielen amixon® Mischern ist das Mischwerk oberhalb des Mischraums gelagert. Dies kann produktberührte Dichtstellen reduzieren und die Wartungszugänglichkeit unterstützen. Eine hohe Anlagenverfügbarkeit entsteht jedoch nicht allein durch die Konstruktion, sondern aus dem Zusammenwirken von Produktauslegung, Wartung, Bedienung, Reinigung, Ersatzteilstrategie und der Auswertung relevanter Betriebsdaten. Welche Zustandsdaten tatsächlich sinnvoll sind, sollte daher aus den konkreten Verschleiß- und Ausfallrisiken der Anwendung abgeleitet werden.

In regulierten Anwendungen kann amixon® qualifizierungsrelevante Unterlagen bereitstellen und bei Design Qualification, kurz DQ, Installation Qualification, kurz IQ, und Operational Qualification, kurz OQ, unterstützen. Die DQ dokumentiert, dass das Anlagendesign die spezifizierten Anforderungen erfüllt. Die IQ bestätigt die ordnungsgemäße Installation. Die OQ weist nach, dass die Anlage im definierten Betriebsbereich funktioniert. amixon® beschreibt seine Unterstützung bei DQ, IQ und OQ sowie eine Ausrichtung von Dokumentation und Ausführung an EU-GMP und 21 CFR Part 11; die Integration soll dem Validierungskonzept des Betreibers von der URS bis zur Inbetriebnahme folgen.

Diese Unterstützung entbindet den Betreiber nicht von seiner Verantwortung für Datenintegrität, Prozessvalidierung und regulatorische Compliance. Wenn elektronische Aufzeichnungen und elektronische Signaturen im Anwendungsbereich von 21 CFR Part 11 geführt werden, müssen Rollen und Benutzerrechte, Audit Trails, elektronische Signaturen, Datensicherung, Datenarchivierung und die langfristige Lesbarkeit der Daten im validierten Gesamtsystem geregelt sein. Der Betreiber muss außerdem festlegen, welche Daten für die Chargenfreigabe, für die Ursachenanalyse und für die gesetzliche oder vertragliche Aufbewahrung erforderlich sind.

Technikumsversuche mit Originalprodukt können helfen, kritische Prozessparameter und geeignete Datenerfassungspunkte frühzeitig festzulegen. In Paderborn stehen nach Angaben von amixon® mehr als 30 Testmischer in verschiedenen Baugrößen zur Verfügung. Dort können unter anderem Mischzeit, Energieeintrag, Füllgrad, Produktschonung, Mischgüte und Reinigbarkeit untersucht werden. Die Ergebnisse können als technische Grundlage für die Rezepturauslegung, Sensorik und spätere Produktionsführung dienen. Sie ersetzen jedoch nicht die Chargendaten aus der kommerziellen Produktion und auch nicht die Validierung oder Leistungsabnahme der vollständigen Anlage beim Betreiber.

Die Fertigung am Standort Paderborn und eine dokumentierte Qualitätssicherung können die technische Rückverfolgbarkeit der Anlage unterstützen. Dazu gehören beispielsweise Zeichnungen, Werkstoffzeugnisse, Schweißdokumentationen, Prüfprotokolle und Komponentenlisten. Diese technischen Unterlagen unterstützen Qualifizierung, Wartung, Ersatzteilversorgung und die Bewertung späterer Änderungen. Sie sind jedoch von der Chargenrückverfolgung des hergestellten Produkts zu unterscheiden. Für Produkt-Traceability sind vor allem die konsequent erfassten Material-, Prozess-, Qualitäts- und Logistikdaten des Betreibers maßgeblich.

amixon® bietet nach eigenen Angaben außerdem Wartung, Modernisierung, Nachrüstung und Ersatzteilservice. Diese Leistungen können die langfristige Betriebsfähigkeit der Anlage unterstützen. Für eine nachweisbare Chargenrückverfolgung ist zusätzlich erforderlich, dass Änderungen an Sensorik, Steuerung, Rezepturen, Schnittstellen oder Prozessparametern kontrolliert bewertet, dokumentiert und bei Bedarf qualifiziert oder validiert werden.