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Gibt es Benchmark-Werte für Mischzeiten bei pharmazeutischen Pulvermischungen für 500–1.000 Liter Chargen?

Für pharmazeutische Pulvermischungen mit Chargenvolumina von 500 bis 1.000 Litern gibt es keine allgemein verbindlichen Mischzeiten. Als erste Orientierung liegen klassische Freifallmischer wie V-, Doppelkonus- oder Bin-Mischer oft im Bereich von etwa 10 bis 20 Minuten, während aktiv konvektive Mischer wie Band-, Wendel- oder Pflugscharmischer häufig kürzere Zeiten ermöglichen. Diese Werte sind jedoch nur Startpunkte für die Entwicklung; die finale Mischzeit muss für jede Rezeptur, jeden Mischer und jede Chargengröße analytisch bestimmt und validiert werden.

Bei Freifall- oder Bin-Mischern werden häufig nicht allein Minuten, sondern die Gesamtzahl der Behälterumdrehungen als übertragbare Prozessgröße betrachtet. Für einfache Mischungen mit gut fließenden, weitgehend agglomeratfreien Komponenten werden in der Praxis oft etwa 100 bis 250 Umdrehungen als erster Versuchsbereich angesetzt. Bei typischen Drehzahlen von beispielsweise 8 bis 15 Umdrehungen pro Minute ergibt sich daraus ein grobes Zeitfenster von rund 7 bis 30 Minuten. Beim Scale-up kann die Zahl der Umdrehungen eine nützliche Orientierung sein, sie ersetzt jedoch keine Validierung, weil sich Strömungsbild, Fallhöhe, Luftbewegung, Segregationsverhalten und Austrag mit der Behältergröße ändern können.

Für konvektive Mischer mit aktiv angetriebenen Werkzeugen liegen die Mischzeiten oft darunter. Band- oder Ribbonmischer erreichen bei geeigneten, gut fließenden Produkten häufig einen Mischendpunkt im einstelligen Minutenbereich. Pflugscharmischer oder andere Intensivmischer können bei anspruchsvollen, kohäsiven oder agglomerierten Pulvern ebenfalls kurze Zeiten erreichen, tragen jedoch abhängig von Werkzeugdrehzahl und Produktwiderstand mehr mechanische Energie ein. Die Auswahl sollte daher nicht allein auf minimale Mischzeit ausgerichtet sein. Bei pharmazeutischen Granulaten oder empfindlichen Agglomeraten können Partikelabrieb, Veränderung der Korngrößenverteilung, Entmischung, elektrostatische Aufladung oder eine Änderung der späteren Tablettier- und Fließeigenschaften entscheidender sein als die Dauer des Mischvorgangs.

Für Low-Dose-Rezepturen mit sehr kleinen API-Anteilen reichen pauschale Zeitvorgaben besonders wenig aus. In solchen Fällen sind häufig eine geometrische Verdünnung, eine Vormischung oder ein abgestimmtes Dosierkonzept erforderlich. Auch die Reihenfolge der Rohstoffzugabe ist relevant. Eine längere Mischzeit kann eine ungünstige Vormischung nicht zuverlässig korrigieren und im Extremfall eine Entmischung oder Partikelschädigung verstärken. Unterschiede in Partikelgröße, Partikelform, Schüttdichte, Kohäsivität, Feuchte und elektrostatischer Aufladung beeinflussen sowohl die Mischkinetik als auch die Stabilität der Mischung nach dem Mischen.

Der Füllgrad ist ein weiterer zentraler Parameter. Freifallmischer arbeiten häufig am besten innerhalb eines begrenzten Füllgradfensters, weil ausreichend freie Oberfläche für die Umschichtung vorhanden sein muss. Als grober Anfangsbereich werden oft etwa 40 bis 70 Prozent des Behältervolumens gewählt. Eine Überfüllung kann den Partikelaustausch behindern; ein zu geringer Füllgrad kann die Umwälzung verringern oder das Risiko von Entmischung erhöhen. Die geeignete Drehzahl wird bei rotierenden Mischern häufig über die Froude-Zahl beschrieben. Sie setzt Zentrifugal- und Gravitationskräfte zueinander in Beziehung: Fr=ω2R/g. Für viele industrielle Tumblerprozesse wird ein Bereich unter 0,2 beschrieben, um eine unerwünschte Zentrifugierung der Schüttung zu vermeiden.

Die Mischzeit wird in der pharmazeutischen Entwicklung nicht durch eine einzelne Probe am Ende des Prozesses festgelegt, sondern über eine Mischkinetikstudie. Dazu werden Chargen nach mehreren Mischzeiten gestoppt und anhand eines vorab definierten Probenahmeplans untersucht. In einer publizierten Studie wurden beispielsweise Proben nach 0,25, 0,5, 0,75, 1, 2, 5, 10 und 20 Minuten aus 13 Positionen entnommen; der mit HPLC bestimmte Mischendpunkt lag dort bei fünf Minuten, während ein akzeptables Zeitfenster zwischen fünf und zehn Minuten lag. Das Beispiel zeigt zugleich, dass die benötigte Mischzeit stark produkt- und methodenspezifisch ist.

Als häufig genutzte interne Orientierung gilt für die Blend Uniformity eine relative Standardabweichung von höchstens 5 Prozent, kombiniert mit passenden Kriterien für Mittelwert und Einzelwerte. Dies ist kein universeller Ersatz für eine produktspezifische Spezifikation, sondern muss an Dosierstärke, analytische Unsicherheit, kritische Qualitätsattribute und regulatorische Strategie angepasst werden. Für die Beurteilung der räumlichen Homogenität sollten Proben aus mehreren repräsentativen Mischerpositionen entnommen werden. In einer FDA-nahen Leitlinie werden mindestens zehn Probenahmepositionen für den Mischer genannt; für konvektive Mischer werden bis zu 20 Positionen empfohlen, um insbesondere Ecken und Austragsbereich einzubeziehen.

Die Mischvalidierung darf nicht am Mischraum enden. Gerade bei 500- bis 1.000-Liter-Chargen kann sich ein Gemisch während des Austrags, an Fallstrecken, durch Vibration, bei pneumatischer Förderung oder im Vorlagebehälter wieder entmischen. Deshalb sollte die Entwicklung auch zeitlich und räumlich gestaffelte Proben während des Austrags sowie gegebenenfalls Proben am Einlauf der Tablettenpresse, Kapselfüllmaschine oder Abfüllanlage umfassen. Die Wirkstoffgleichförmigkeit im fertigen Arzneimittel ist ein kritisches Qualitätsmerkmal; unzureichende Blend Uniformity oder Segregation können unmittelbar zu variabler Wirkstoffdosierung führen.

PAT-Verfahren können die Festlegung des Mischendpunkts unterstützen. Inline- oder Online-NIR, Licht-induzierte Fluoreszenz oder andere geeignete Messverfahren erlauben, die Homogenisierung kontinuierlicher zu beobachten und ein robustes Mischzeitfenster statt eines starren Einzelwerts festzulegen. Der Nutzen besteht nicht nur in einer möglichen Verkürzung der Mischzeit, sondern vor allem in der Erkennung von Untermischung, Übermischung oder Chargenabweichungen. Eine Echtzeit-NIR-Überwachung wurde in einer Studie durch HPLC und geschichtete Probenahme bestätigt und zeigte für die untersuchte Rezeptur einen Zielwert nach drei Minuten.

Kurze Mischzeiten für große Pharma-Chargen

Bei pharmazeutischen Pulvermischungen von 500 bis 1.000 Litern gibt es keine pauschal gültige Mischzeit, weil Rezeptur, Wirkstoffanteil, Partikelgrößen, Schüttdichten, Kohäsivität, Füllgrad und Homogenitätsanforderungen die Mischkinetik bestimmen. amixon® ermittelt die erforderliche Mischzeit deshalb nicht über allgemeine Richtwerte, sondern anhand von Mischversuchen mit dem Originalprodukt. Das Ergebnis ist ein dokumentiertes Prozessfenster aus Beschickungsreihenfolge, Füllgrad, Mischzeit, Drehzahl, gegebenenfalls Flüssigkeitszugabe und Austragsbedingungen. Dieses Vorgehen ist besonders wichtig bei Low-Dose-Formulierungen, bei denen geringe Wirkstoffmengen gleichmäßig in einer großen Trägermasse verteilt werden müssen.

Kurze Mischzeiten entstehen dann, wenn das Mischwerkzeug das gesamte Chargenvolumen kontrolliert erfasst und die Produktbereiche wiederholt umschichtet. Die SinConvex®-Mischwerkzeuge der amixon® Vertikal- und Konusmischer VM, HM und AM erzeugen eine dreidimensionale Produktverströmung. Das Mischgut wird im wandnahen Bereich nach oben gefördert, strömt im zentralen Bereich abwärts und wird anschließend erneut in die Mischzone überführt. Die kontinuierliche Produktumwälzung unterstützt eine gleichmäßige Verteilung der Komponenten, ohne dass dafür hohe Werkzeugdrehzahlen erforderlich sind.

Der Vertikal-Zweiwellenmischer HM nutzt zwei überlagerte Produktströme. Diese Bauweise kann bei geeigneten Rezepturen kurze Mischzeiten und eine hohe Homogenität ermöglichen. Für Chargen im Bereich von 500 bis 1.000 Litern kann ein HM ebenso eingesetzt werden wie für deutlich größere Volumina. Die konkrete Baugröße wird anhand von Chargengewicht, Schüttdichte, gefordertem Füllgrad, Eintragskonzept und verfügbarer Aufstellfläche bestimmt. Standardisierte Baureihen reichen bis etwa 20.000 Liter; für größere Anforderungen sind Sonderbauformen bis ungefähr 50 m³ möglich.

Der KoneSlid®-Mischer KS arbeitet mit einer aktiven, dreidimensionalen Zwangsumschichtung. Das Produkt wird im äußeren Bereich nach oben gefördert und fließt zentral wieder abwärts. Ein konischer Verdrängerkörper führt den zentralen Produktstrom erneut in Richtung der äußeren Mischzone. Nach rund vier Werkzeugumdrehungen kann das gesamte Mischvolumen einmal vollständig umgeschichtet sein. Je nach Rezeptur, Füllgrad und Zielhomogenität kann nach etwa 20 bis 40 Umdrehungen die technisch ideale Zufallsmischung erreicht werden. Der KS verbindet diese kurze Mischzeit mit niedriger mechanischer Beanspruchung und eignet sich deshalb insbesondere für empfindliche, agglomerierte oder instantisierte Produkte. Die tatsächliche Anzahl erforderlicher Umdrehungen muss jedoch mit dem Originalprodukt bestimmt werden.

Ein breiter Füllgradbereich kann die Flexibilität bei wechselnden Chargengrößen erhöhen. Je nach Bauform und Produkt lassen sich amixon® Mischer im Bereich von etwa 10 bis 100 Prozent des Nutzvolumens betreiben. Die Aussage, dass die Mischgüte über den gesamten Bereich stets gleich bleibt, muss jedoch für jede einzelne Rezeptur und Apparategröße bestätigt werden. Gerade bei pharmazeutischen Mischungen können niedrige Füllgrade, Kleinkomponenten, unterschiedliche Schüttdichten oder eine geringe Wirkstoffkonzentration die Mischkinetik verändern. Deshalb werden Prozessparameter und zulässige Chargengrößen im Rahmen der Entwicklung, der Qualifizierung und gegebenenfalls der Prozessvalidierung festgelegt.

Für große Chargen über etwa 2.000 Liter kann der Gyraton® GM eingesetzt werden. Die Baureihe ist für große, schonende Chargenmischungen ausgelegt und deckt nach Herstellerangaben Größen von etwa 10 bis 100 m³ ab. Abhängig von Rezeptur und Antriebsdimensionierung kann der Mischer auf kurze Mischzeiten oder auf eine besonders energiearme und schonende Fahrweise ausgelegt werden. Eine Bewertung der tatsächlichen Energieaufnahme und Mischzeit muss sich dabei auf das reale Produkt und die geplante Charge stützen.

Die Mischzeit allein ist nicht ausreichend, wenn die Mischung beim Austrag oder bei der Abfüllung wieder entmischt wird. Eine prozesssichere Lösung muss deshalb auch die Entleerung, nachgelagerte Fördertechnik und Verpackung berücksichtigen. ComDisc®-Elemente können die Restentleerung unterstützen und das Produkt kontrolliert in Richtung Austrag führen. Beim KoneSlid® kann das zentrale Verschlusssystem einen großen Austragsquerschnitt freigeben, sodass rieselfähige Produkte sehr schnell entleert werden können. DosiFlap®-Armaturen ermöglichen eine totraumarme, dosierende Befüllung nachgeschalteter Gebinde. Ob diese Funktionen für eine bestimmte Rezeptur tatsächlich entmischungsfrei arbeiten, muss mit Originalprodukt über den vollständigen Austrags- und Abfüllprozess geprüft werden.

Für pharmazeutische Anwendungen können amixon® Apparate entsprechend den projektspezifischen Qualitäts- und Hygieneanforderungen ausgeführt werden. Je nach Konfiguration sind GMP-orientierte Ausführungen, FDA-konforme Werkstoffe und Oberflächen, EHEDG- und 3-A-konforme Hygienekonzepte sowie Sterilmischer- oder Reaktorausführungen möglich. amixon® unterstützt bei der Erstellung und Bearbeitung von Design Qualification, Installation Qualification und Operational Qualification. Die Automatisierung und Dokumentation kann an EU-GMP und FDA 21 CFR Part 11 ausgerichtet werden. Welche regulatorischen Anforderungen tatsächlich erfüllt werden, wird in der User Requirement Specification und der projektspezifischen Ausführung definiert.

Im amixon® Technikum in Paderborn stehen mehr als 30 Versuchsanlagen in unterschiedlichen Baugrößen zur Verfügung. Ergänzend bestehen Technika in Japan, Indien, Thailand, China, Südkorea und den USA. Die Versuche können mit Originalprodukt, realistischen Füllgraden, vorgesehenen Chargengrößen sowie geplanten Temperatur- und Druckbedingungen durchgeführt werden. Dabei werden Mischqualität, Mischzeit, Produktschonung, Energieeintrag, Reinigbarkeit, Restentleerung und Reproduzierbarkeit bewertet. Für pharmazeutische Rezepturen sollten zusätzlich die Probenahmestrategie, die analytische Methode, der Wirkstoffgehalt an unterschiedlichen Mischerpositionen und die Stabilität der Mischung während des Austrags untersucht werden.