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Wie sieht ein typischer FAT/SAT und Qualifizierungsprozess (DQ/IQ/OQ/PQ) für eine Pharma-Mischanlage aus?

Überblick: Ziel und regulatorischer Rahmen

  • Die Inbetriebnahme und Qualifizierung einer Pharma-Mischanlage folgt einem strukturierten, GMP-konformen Ablauf gemäß u. a. EU-GMP Annex 15, ICH Q7/Q9 und ASTM E2500.
  • Ziel ist der dokumentierte Nachweis, dass die Anlage für den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet ist und reproduzierbar Produkte in spezifizierter Qualität liefert.

Typische Qualifizierungsschritte:

DQ – Designqualifizierung

  • FAT – Factory Acceptance Test
  • SAT – Site Acceptance Test
  • IQ – Installationsqualifizierung
  • OQ – Funktionsqualifizierung (Operational Qualification)
  • PQ – Leistungsqualifizierung (Performance Qualification)

Vorbereitende Phase: Anforderungen und Spezifikationen (URS/FDS/DS)

Vor Beginn der Qualifizierung werden die grundlegenden Spezifikationen definiert:

  • User Requirement Specification (URS):
  • Beschreibung der Nutzeranforderungen an die Mischanlage (Chargengrößen, Mischzeiten, Drehzahlbereiche, Temperaturprofile, Vakuum/Überdruck, Reinigungsanforderungen wie CIP/SIP, Totraumfreiheit, Drainability, ATEX-Zonen, Datenintegrität).
  • Functional Design Specification (FDS) und Design Specification (DS):
  • Konkretisierung des Automatisierungskonzepts, der Sicherheitsfunktionen und der technischen Ausführung (P&ID, Werkstoffe, Oberflächenrauheiten, Steuerungsarchitektur).

Diese Dokumente bilden die Basis für die DQ und die späteren IQ/OQ/PQ-Tests.

Design Qualification (DQ)

  • Die Designqualifizierung (DQ) ist der erste formale Schritt im Qualifizierungsprozess.
  • Sie liefert den dokumentierten Nachweis, dass das geplante Anlagendesign – basierend auf URS/Lastenheft – alle GMP- und Prozessanforderungen erfüllt.

Typische Inhalte der DQ für eine Mischanlage:

Abgleich Lastenheft (URS) des Betreibers mit dem Pflichtenheft des Herstellers

  • Prüfung von R&I-Fließbildern (P&ID), Isometrien, 3D-Modellen
  • Bewertung der Produktkontaktmaterialien (z. B. 1.4404/316L, Oberflächenrauheit Ra ≤ 0,8 µm, ggf. Elektropolitur)
  • Nachweise zu Dichtungen und Elastomeren (z. B. FDA-/USP Class VI)
  • Überprüfung von Reinigungs- und Sterilisationskonzepten (CIP/SIP, Totraumfreiheit, Drainability)
  • Bewertung der Automatisierung (Funktionsspezifikation, Rezeptursteuerung, Interlocks, Alarmkonzept)
  • Einbindung von Risikoanalysen (z. B. FMEA, HACCP) zur Festlegung qualifizierungsrelevanter Funktionen

Ergebnis der DQ ist ein genehmigtes Design, für das anschließend FAT/SAT und IQ/OQ/PQ geplant werden.

Factory Acceptance Test (FAT)

  • Der FAT findet beim Anlagenhersteller statt und dient der Vorab-Abnahme vor Auslieferung.
  • Ziel ist die Verifizierung, dass die Mischanlage gemäß Design- und Spezifikationsunterlagen gebaut wurde und grundlegende Funktionen fehlerfrei arbeiten.

Typische FAT-Prüfinhalte:

  • Statische Prüfungen:
  • Visuelle Inspektion und Maßkontrolle
  • Abgleich verbauter Komponenten mit Stückliste und Spezifikation
  • Schweißnahtdokumentation (ggf. Boroskopie)
  • Kontrolle von Materialzeugnissen (z. B. EN 10204 3.1) und Typenschildern
  • Dynamische Prüfungen:
  • Leerlaufbetrieb der Rührwerksantriebe (Drehzahl-/Drehmomentmessung)
  • Dichtheitsprüfung (z. B. Vakuum-/Drucktest, bei aseptischen Anwendungen Helium-Lecktest)
  • Funktionsprüfung der Gleitringdichtungen
  • Test der Heiz-/Kühlfunktionen ohne Produkt
  • Steuerung/Software:
  • I/O-Check, Funktionsprüfung der Prozessschritte
  • Test von Rezeptursteuerung, Alarmmanagement und Audit-Trail-Funktionalität (21 CFR Part 11)
  • Prüfung der Benutzerverwaltung und Rollenrechte
  • Sicherheitsfunktionen:
  • Test von Not-Aus, Verriegelungen (Interlocks), Schutzabdeckungen
  • EMV-Verhalten, grundlegende elektrische Sicherheit

Der FAT wird durch ein signiertes FAT-Protokoll abgeschlossen und bildet die Basis für die spätere Nutzung von FAT-Daten im IQ/OQ („Leveraging“).

Site Acceptance Test (SAT)

  • Der SAT erfolgt nach Anlieferung, Einbringung und Anschluss der Anlage am endgültigen Aufstellungsort im Pharmawerk.
  • Er dient dem Nachweis, dass die Anlage transportbedingt nicht beeinträchtigt wurde und korrekt an die bauseitigen Medien angebunden ist.

Typische SAT-Aktivitäten:

Prüfung auf Transportschäden und korrekte Aufstellung

  • Verifikation der Medienanschlüsse (z. B. WFI, Reinstdampf, Prozessgase, Druckluft, Stromversorgung)
  • Integration in Gebäude- und Prozessleittechnik (übergeordnete Leit- und Produktionssysteme, HVAC, Reinraumklassifizierung)
  • Wiederholung kritischer FAT-Tests unter realen Standortbedingungen
  • Funktionsprüfung der Schnittstellen zu vorgelagerten/nachgelagerten Systemen (z. B. Dosier- oder Abfüllanlagen)

Ein erfolgreich abgeschlossener SAT ist häufig Voraussetzung für die formale IQ-Freigabe.

Installation Qualification (IQ)

Die Installationsqualifizierung (IQ) belegt dokumentiert, dass die Mischanlage und ihre Komponenten spezifikationsgerecht installiert wurden und mit dem genehmigten Design übereinstimmen.

Typische IQ-Prüfschritte:

Abgleich As-Built-Dokumentation mit Designunterlagen (P&ID-Walkdown)

  • Bestandsaufnahme und Prüfung der gelieferten Komponenten gegenüber Bestellunterlagen und Stückliste
  • Kontrolle der Verrohrung und Armaturen gemäß R&I-Schema (Fließrichtung, Kennzeichnung, Ventiltypen)
  • Prüfung der Materialzeugnisse (z. B. 3.1-Zeugnisse) und Schweißnahtdokumentation
  • Verifizierung von Kalibrierzertifikaten aller GxP-relevanten Sensoren (Temperatur, Druck, Füllstand, Drehzahl, Wägezellen)
  • Überprüfung der Versorgungsmedien (Qualität und Kapazität von Dampf, Wasser, Druckluft, Energieversorgung)
  • Dokumentation der Softwareinstallation, Versionen, Backup- und Wiederherstellungskonzepte
  • Anlage von Wartungs-, Kalibrier- und Ersatzteilplänen

Die IQ schafft die Grundlage, auf der im nächsten Schritt die Funktionsfähigkeit im Prozessbetrieb (OQ) geprüft wird.

Operational Qualification (OQ)

  • In der Funktionsqualifizierung (OQ) wird geprüft, ob die Mischanlage innerhalb der spezifizierten Betriebsbereiche zuverlässig und reproduzierbar funktioniert.
  • Diese Tests erfolgen üblicherweise ohne Wirkstoffe, z. B. mit Wasser oder Placebo-Medien.

Typische OQ-Prüfinhalte:

  • Test der Betriebsgrenzen (Worst Case):
  • min./max. Füllvolumen
  • min./max. Drehzahlbereiche
  • Temperatur- und Druckgrenzen (Vakuum/Überdruck)
  • Prozessbezogene Funktionsprüfungen:
  • Mischzeitstudien und Homogenitätsprüfungen (z. B. Tracer-Versuche)
  • Überprüfung von Heiz-/Kühlraten und Temperaturstabilität
  • Validierung der CIP-/SIP-Zyklen (z. B. Benetzungsprüfung mit Riboflavin, Rückstandsmessungen, F0-Wert bei Sterilprozessen)
  • Sicherheits- und Interlocktests:
  • Funktion von Not-Aus, Tür-/Deckelverriegelungen, Überfüllungs- und Trockenlaufschutz
  • Test von Alarmmeldungen, Grenzwertüberschreitungen und Reaktionszeiten
  • Software- und Datenintegritätstests:
  • Prüfung von Rezepturverwaltung, Chargenberichten und Audit Trail
  • Tests von Stromausfall- und Neustartszenarien
  • Verifikation der Benutzer- und Rechteverwaltung gemäß Datenintegritätsanforderungen (ALCOA+)

Eine erfolgreich abgeschlossene OQ bestätigt, dass die Anlage den spezifizierten Funktionsumfang beherrscht und ist Voraussetzung für die PQ.

Performance Qualification (PQ)

Die Leistungsqualifizierung (PQ) ist der abschließende Nachweis, dass die Mischanlage unter realen Produktionsbedingungen mit Originalprodukt oder repräsentativen Placebos dauerhaft die geforderte Qualität liefert.

Typische PQ-Elemente:

Herstellung von mindestens mehreren aufeinanderfolgenden Chargen (Konsistenzansatz)

  • Beprobung an repräsentativen Entnahmepositionen zur Bestätigung der Mischgüte (z. B. Homogenität, Rel. Standardabweichung RSD häufig ≤ 5 %)
  • Analytische Prüfung gemäß Produktspezifikation (Wirkstoffgehalt, Partikelgrößenverteilung, Viskosität, Dichte)
  • Bewertung von Temperaturstabilität, Reaktionsführung (bei exothermen Prozessen) und Reproduzierbarkeit über mehrere Chargen
  • Anwendung statistischer Methoden (z. B. Statistical Process Control, SPC) zur Beurteilung der Prozessfähigkeit

Eine erfolgreich abgeschlossene PQ ist die Voraussetzung für die Prozessvalidierung und den kommerzielle Produktionsfreigabe der Mischanlage.

Zusammenspiel von FAT/SAT und IQ/OQ (Leveraging, GEP)

Nach modernen Ansätzen (z. B. ASTM E2500, „Good Engineering Practice“) wird häufig ein Leveraging-Konzept angewendet:

  • FAT-Ergebnisse werden, sofern Testumfang und -bedingungen vergleichbar sind, gezielt in IQ/OQ übernommen.
  • Dies reduziert Doppelprüfungen, verkürzt die Zeit bis zur Inbetriebnahme und senkt Projektkosten, ohne die regulatorische Compliance zu beeinträchtigen.
  • Voraussetzung ist eine saubere Dokumentation im FAT und eine klare Zuordnung der Tests zu URS-/DQ-Anforderungen.

Abschluss und Qualifizierungserhaltung

Nach erfolgreicher DQ/FAT/SAT/IQ/OQ/PQ:

  • erfolgt die Freigabe der Anlage für den Routinebetrieb (i. d. R. durch die Qualified Person, QP),
  • der qualifizierte Zustand wird durch Change Control, Kalibrierprogramme, Wartung, Requalifizierungen und Continued Process Verification (CPV) dauerhaft sichergestellt.

Damit bildet der FAT/SAT- und Qualifizierungsprozess (DQ/IQ/OQ/PQ) die GMP-konforme Grundlage für einen robusten, reproduzierbaren und regulatorisch abgesicherten Betrieb einer Pharma-Mischanlage.

So unterstützt amixon® FAT/SAT und die Qualifizierung (DQ/IQ/OQ/PQ) von Pharma-Mischanlagen

Von der URS zur qualifizierbaren Anlage

Produktionsanlagen für pulvrige Wirkstoffe stehen und fallen mit den Maschinen, die die Stoffe verändern – Mischer, Agglomeratoren, Vakuumtrockner, Synthesereaktoren. Fehler lassen sich dort nicht kompensieren. amixon® konstruiert deshalb jeden Apparat als Unikat auf Basis der URS (User Requirement Specification) und fertigt im eigenen Haus in Paderborn – die Qualitätskontrolle bleibt lückenlos, jede Spezifikation ist bis auf Bauteilebene (Werkstoffzeugnisse, Oberflächengüten, Schweißdokumentation) belegbar.

DQ, IQ, OQ – mit amixon® Unterstützung

amixon® unterstützt bei Design Qualification, Installation Qualification und Operational Qualification; Dokumentation und Ausführung folgen auf Wunsch EU-GMP und FDA 21 CFR Part 11. Die Integration folgt dem Validierungskonzept des Betreibers von der URS bis zur Inbetriebnahme – inklusive der Anforderungen an elektronische Aufzeichnungen und Audit-Trails aus 21 CFR Part 11, umgesetzt in der projektspezifischen Automatisierung (SPS-Programme, ERP-Anbindung, Barcode-Echtzeitdokumentation).

FAT und SAT

Der Factory Acceptance Test findet im Werk Paderborn statt – am realen Apparat, mit den vereinbarten Prüfpunkten aus der URS. Montage und Site Acceptance Test übernehmen erfahrene amixon®-Spezialisten in voller Kooperation mit dem Betreiber und präziser Abstimmung auf dessen Prozesse; die dokumentierten Ergebnisse speisen die IQ/OQ des Betreibers. Die Performance Qualification mit Produkt verantwortet der Betreiber – amixon® liefert dafür auf Wunsch die Prozessparameter aus Technikumsversuchen mit Originalprodukt als abgesicherte Startbasis.

Die konstruktive Grundlage

GMP-gerechtes Hygienic Design ist die Voraussetzung jeder erfolgreichen Qualifizierung: totraumfreie, fugenfrei verschweißte Mischräume, nur oben gelagertes Mischwerk, Clever-Cut®-Zugänglichkeit, validierbare CIP/WIP-Reinigung, FDA-konforme Sterilausführungen (EHEDG, 3-A) – Standards, die amixon® auf Wunsch erfüllt und dokumentiert.

Absicherung im amixon® Technikum

Vor der Investition steht der Nachweis: Im amixon® Technikum am Stammsitz Paderborn stehen über 30 Testanlagen in unterschiedlichen Baugrößen bereit – ergänzt um Technika in Japan, Indien, Thailand, China, Südkorea und den USA. Die Versuche laufen mit dem Originalprodukt, mit realen Füllgraden und Chargengrößen, im vorgesehenen Temperatur- und Druckbereich. Bewertet werden Mischqualität, Produktschonung, Energieeintrag, Reinigbarkeit und Reproduzierbarkeit im späteren Serienbetrieb; die Ergebnisse werden gemeinsam mit amixon® Experten ausgewertet und dokumentiert – als belastbare Entscheidungsgrundlage, die technische und wirtschaftliche Risiken vor dem Kauf ausräumt.