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Zone 22

 

Definition

Zone 22 ist die niedrigste Gefährdungsstufe der staubexplosionsgefährdeten Bereiche nach den europäischen ATEX-Richtlinien 2014/34/EU und 1999/92/EG. Sie bezeichnet einen Bereich, in dem im Normalbetrieb eine explosionsfähige Staubatmosphäre normalerweise nicht auftritt und, wenn doch, nur selten und kurzzeitig.

Zur groben zeitlichen Einordnung wird Zone 22 mit einem Auftreten von weniger als etwa 10 Stunden pro Jahr verknüpft. In der Praxis ist Zone 22 häufig die weitere Umgebung von Mischern, Silos und Förderanlagen – also der Bereich, in dem sich Bedienpersonal regelmäßig aufhält.

 

Einordnung gegenüber Zone 20 und Zone 21

ZoneAuftreten der explosionsfähigen StaubatmosphäreGerätekategorieEPL
Zone 20ständig, über lange Zeiträume oder häufig1DDa
Zone 21im Normalbetrieb gelegentlich2DDb
Zone 22im Normalbetrieb nicht zu erwarten, dann nur selten und kurzzeitig3DDc

Für Zone 22 sind Geräte der Kategorie 3D mit dem Geräteschutzniveau EPL Dc ausreichend. Der Schutz ist vorrangig auf den fehlerfreien Normalbetrieb ausgerichtet; Staubwolken werden nur ausnahmsweise erwartet.

 

Typische Zone-22-Bereiche an Mischanlagen

  • Umgebung von Mischern, Silos und Förderanlagen, in denen Staub höchstens bei Leckagen, Störungen oder kurzzeitigem Aufwirbeln freigesetzt wird
  • Bereiche mit Staubablagerungen begrenzter Schichtdicke, aus denen bei mechanischer Beanspruchung oder Luftbewegung kurzfristig Staub-Luft-Gemische entstehen können
  • Umgebung von Entstaubungs- und Filteranlagen, die nicht absolut staubdicht ausgeführt sind

Für viele industrielle Anwendungen ergibt sich damit eine abgestufte Einteilung: der Innenraum staubführender Behälter als Zone 20, der unmittelbar prozessnahe Bereich mit regelmäßigem Staubaustritt als Zone 21 und die weitere Umgebung als Zone 22.

 

Bedeutung von Staubablagerungen

In Zone 22 ist nicht die aufgewirbelte Wolke, sondern die abgelagerte Staubschicht der maßgebliche Risikofaktor. Bereits geringe Schichtdicken können bei mechanischer Beanspruchung, Luftbewegung oder einer Druckwelle aufgewirbelt werden und eine explosionsfähige Atmosphäre bilden. Staubschichten auf warmen Oberflächen können zudem verglimmen und als Zündquelle wirken – deshalb sind die zulässigen Oberflächentemperaturen bei Staubschichten strenger begrenzt als bei Staubwolken.

Konsequente Reinigung ist in Zone 22 daher keine Ordnungsmaßnahme, sondern Teil des Explosionsschutzkonzepts.

 

Anforderungen und Maßnahmen

  • Einsatz von Geräten der Kategorie 3D mit EPL Dc
  • Begrenzung der Oberflächentemperaturen unter Berücksichtigung möglicher Staubablagerungen
  • elektrostatische Erdung und Potenzialausgleich aller leitfähigen Anlagenteile
  • staubdichte oder staubarme Ausführung von Apparaten, Filter- und Entstaubungssystemen, damit sich die Zone nicht unnötig ausdehnt
  • gezielte Absaugung an Staubquellen sowie definierte Reinigungsintervalle
  • Dokumentation von Bereichen, Stoffen, Zündquellen und Schutzmaßnahmen im Explosionsschutzdokument

Eine dichte Ausführung des Mischers und seiner Anschlüsse ist der wirksamste Hebel: Bleibt der Staub im Apparat, kann der umgebende Bereich häufig von Zone 21 auf Zone 22 herabgestuft oder ganz aus der Zoneneinteilung genommen werden. Das senkt die Anforderungen an die gesamte Peripherie erheblich.

 

Verantwortung des Betreibers

Die korrekte Zoneneinteilung ist rechtlich und fachlich Aufgabe des Betreibers der Anlage. Sie muss auf Basis der konkreten Prozessbedingungen, Stoffdaten und Schutzkonzepte erfolgen und im Explosionsschutzdokument nachvollziehbar begründet werden.