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Welche Validierungsunterlagen und Risikobewertungen werden für GMP-Inspektionen benötigt?

Für GMP-Inspektionen ist kein pauschales „Dokumentenpaket“ vorgeschrieben. Erwartet wird vielmehr ein kohärentes, risikobasiertes und lebenszyklusorientiertes Nachweissystem, das zeigt, dass Anlagen, Prozesse, Reinigungsverfahren, computergestützte Systeme und Prüfmethoden für ihren vorgesehenen Zweck geeignet sind und dauerhaft beherrscht bleiben. Maßgeblich sind – abhängig von Produkt, Markt und Behörde – insbesondere der EU-GMP-Leitfaden mit Annex 15 und Annex 11, die ICH-Leitlinien Q8, Q9 und Q10 sowie für den US-Markt unter anderem 21 CFR Part 211 und Part 11.

Zentrales Rahmendokument ist üblicherweise der Validierungsmasterplan. Er beschreibt den Geltungsbereich des Qualifizierungs- und Validierungssystems, Verantwortlichkeiten, Vorgehensweisen, Prioritäten und die Verknüpfung zu SOPs, Change Control, Abweichungsmanagement, CAPA sowie periodischen Bewertungen. Entscheidend ist, dass die einzelnen Aktivitäten – von der Anforderung bis zur Freigabe – nachvollziehbar auf dieses System zurückgeführt werden können.

Für GMP-relevante Anlagen, Versorgungsmedien und gegebenenfalls automatisierte Systeme sind Qualifizierungsunterlagen erforderlich. Typische Phasen sind Design Qualification, Installation Qualification, Operational Qualification und Performance Qualification. Die Unterlagen müssen Anforderungen, Akzeptanzkriterien, Testergebnisse, Abweichungen, Bewertungen und formale Freigaben enthalten. Nicht die Anzahl der Dokumente ist ausschlaggebend, sondern der nachvollziehbare Nachweis, dass die Anlage im vorgesehenen Betriebsbereich reproduzierbar funktioniert.

Die Prozessvalidierung muss belegen, dass ein Herstellprozess dauerhaft Produkte innerhalb der vorgegebenen Qualitätsanforderungen liefert. Dazu gehören die Definition kritischer Qualitätsattribute und kritischer Prozessparameter, ein risikobasierter Validierungsplan, dokumentierte Validierungsläufe sowie die statistische Bewertung der Ergebnisse. Eine starre Vorgabe von drei Validierungschargen gilt heute nicht mehr als allgemeingültig; Umfang und Stichprobenzahl müssen wissenschaftlich und risikobasiert begründet werden. Der Validierungsstatus wird durch eine fortlaufende Prozessverifikation mit Trendanalysen und einer Bewertung des „State of Control“ überwacht.

Für Reinigungsprozesse werden ein Reinigungsvalidierungsplan, Worst-Case-Betrachtungen, begründete Akzeptanzgrenzen sowie Validierungsprotokolle und -berichte benötigt. Akzeptanzgrenzen für Wirkstoffrückstände werden heute häufig toxikologisch abgeleitet, etwa auf Basis von PDE- oder HBEL-Konzepten. Rückgewinnungsstudien, die Eignung der Analysenmethode und gegebenenfalls mikrobiologische Aspekte müssen berücksichtigt werden. Welche Anforderungen im Einzelfall gelten, richtet sich unter anderem nach Produktart, Herstellumgebung und Kreuzkontaminationsrisiko.

Computergestützte GMP-relevante Systeme müssen über ihren gesamten Lebenszyklus qualifiziert oder validiert sein. Erforderlich sind typischerweise eine Anforderungsspezifikation, eine dokumentierte Risikoanalyse, Testpläne und -protokolle, eine Rückverfolgbarkeit zwischen Anforderungen und Tests sowie ein Validierungsbericht. Besonders kritisch sind Datenintegrität, Benutzer- und Rechtekonzepte, Audit Trails, elektronische Signaturen, Datensicherung, Änderungsmanagement und periodische Bewertungen. Annex 11 fordert ausdrücklich, dass Validierungsdokumentation und Berichte die relevanten Lebenszyklusphasen abdecken und der Umfang anhand einer Risikobewertung begründet wird.

Auch analytische Methoden müssen für ihren vorgesehenen Zweck geeignet sein. Je nach Methode und Anwendung sind beispielsweise Spezifität, Präzision, Richtigkeit, Linearität, Arbeitsbereich, Robustheit sowie Nachweis- und Bestimmungsgrenze zu untersuchen. Hinzu kommen Systemeignungstests und bei Labor- oder Standortwechseln gegebenenfalls dokumentierte Methodenübertragungen.

Risikobewertungen verbinden alle diese Elemente. Sie dienen dazu, kritische Qualitätsattribute, Prozessparameter, Anlagenfunktionen, Datenintegritätsrisiken, Kreuzkontaminationsrisiken und Kontrollmaßnahmen systematisch zu bewerten. Methoden wie FMEA, HACCP oder toxikologisch begründete Risikoanalysen können dafür geeignet sein. Inspektionsrelevant ist insbesondere die sichtbare Kette aus Risikobewertung, daraus abgeleitetem Validierungsumfang, Kontrollstrategie, Abweichungsmanagement, CAPA und Change Control.

Alle Unterlagen müssen den Grundsätzen guter Dokumentationspraxis entsprechen: Sie müssen zuordenbar, lesbar, zeitnah, original und korrekt sein sowie vollständig, konsistent, dauerhaft verfügbar und bei Bedarf zugänglich bleiben. Neben den Validierungsdossiers prüfen Inspektoren häufig auch den Site Master File, SOPs, Schulungsnachweise, Wartungs- und Kalibrierunterlagen, Change-Control-Vorgänge, Abweichungen, CAPA-Trends und die Dokumentenlenkung.

Entscheidend für eine GMP-Inspektion ist somit nicht das isolierte Vorliegen einzelner DQ-, IQ-, OQ- oder PQ-Dokumente. Gefordert ist eine konsistente und risikobasiert begründete Nachweiskette – von Anforderungen und Risiken über Qualifizierung und Validierung bis zur fortlaufenden Überwachung des beherrschten Zustands.

So unterstützt amixon® FAT/SAT und die Qualifizierung (DQ/IQ/OQ/PQ) von Pharma-Mischanlagen

Von der URS zur qualifizierbaren Anlage

Produktionsanlagen für pulvrige Wirkstoffe stehen und fallen mit den Apparaten, die die Stoffe mischen, trocknen, agglomerieren oder reagieren lassen. Fehler an dieser Stelle lassen sich im Prozess kaum kompensieren. Daher konstruiert amixon® jeden Apparat als Unikat auf Basis der User Requirement Specification (URS) des Betreibers und fertigt im eigenen Werk in Paderborn. Die Qualitätskontrolle bleibt lückenlos im Haus und die Spezifikationen sind bis auf Bauteilebene – Werkstoffzeugnisse, Oberflächengüten und Schweißdokumentation – nachvollziehbar und belegbar.

DQ, IQ, OQ – mit amixon® Unterstützung

amixon® unterstützt den Betreiber bei Design Qualification (DQ), Installation Qualification (IQ) und Operational Qualification (OQ). Die Unterlagen und die technische Ausführung folgen auf Wunsch den relevanten Anforderungen von EU-GMP und FDA-Guidelines. Die Einbindung der Anlage erfolgt entsprechend dem Validierungskonzept des Betreibers – von der URS über Spezifikationen und Tests bis zur Inbetriebnahme. Anforderungen an elektronische Aufzeichnungen und Auswertungen (z. B. Audit Trail, Benutzerverwaltung, Datensicherheit) werden projektspezifisch in der Automatisierung umgesetzt, inklusive SPS-Programmen, optionaler ERP-Anbindung und lückenloser Chargendokumentation.

FAT und SAT

Der Factory Acceptance Test (FAT) findet im Werk Paderborn am realen Apparat statt – auf Basis der vereinbarten Prüfpunkte aus URS und Spezifikation. Die Montage, Inbetriebnahme und der Site Acceptance Test (SAT) werden von einem erfahrenen amixon® Team in enger Abstimmung mit den Fachbereichen des Betreibers übernommen. Die dabei erstellten Protokolle und Messergebnisse fließen in die IQ/OQ-Dokumentation des Betreibers ein. Die Performance Qualification (PQ) mit Produkt liegt in der Verantwortung des Betreibers. Auf Wunsch stellt amixon® dafür die im Technikum ermittelten Prozessparameter mit Originalprodukt als abgesicherte Startbasis zur Verfügung.

Konstruktive Grundlage: Hygienic Design

GMP-gerechtes Hygienic Design ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Qualifizierung. amixon® setzt auf totraumfreie, fugenfrei verschweißte Mischräume, nur oben gelagerte Mischwerke ohne untere Wellendurchführung, groß dimensionierte Clever-Cut®-Inspektionstüren und ergonomische Zugänglichkeit aller produktberührten Flächen. Eine validierbare Trocken-, CIP- und WIP-Reinigung sowie Sterilausführungen nach einschlägigen Hygienestandards (z. B. EHEDG, 3-A) werden projektspezifisch ausgelegt und dokumentiert.

Absicherung im amixon® Technikum

Vor der Investition steht der Nachweis unter realistischen Bedingungen. Im amixon® Technikum am Stammsitz Paderborn stehen 35 Testanlagen in unterschiedlichen Baugrößen zur Verfügung. Weitere Technika befinden sich in Japan, Indien, Thailand, China, Südkorea und den USA. Die Versuche erfolgen mit Originalprodukten, realen Füllgraden und Chargengrößen sowie im vorgesehenen Temperatur- und Druckbereich. Bewertet werden Mischqualität, Produktschonung, Energiebedarf, Reinigbarkeit und Reproduzierbarkeit. Die Ergebnisse werden gemeinsam mit amixon® Experten ausgewertet und dokumentiert – als belastbare Entscheidungsgrundlage, die technische und wirtschaftliche Risiken vor der Investition deutlich reduziert.