Gradientenwerkstoffe
Ein Gradientenwerkstoff ist ein Werkstoff, dessen Eigenschaften räumlich definiert variieren. Ursache hierfür können Änderungen der chemischen Zusammensetzung, der Gefügestruktur oder der Porosität sein. Typisch ist ein kontinuierlicher oder stufenweiser Übergang zwischen unterschiedlichen Funktionszonen. So können beispielsweise harte, verschleißbeständige Randbereiche mit einem zäheren, bruchunempfindlichen Kern kombiniert werden.
In der Pulvermetallurgie werden Gradientenwerkstoffe häufig durch die gezielte Anordnung unterschiedlicher Pulverzonen erzeugt. Dazu werden Metallpulver mit unterschiedlicher Zusammensetzung, Korngröße oder Dichte kontrolliert geschichtet, verdichtet und anschließend gesintert. Während des Sinterns gehen die Partikel lokal Bindungen ein. So entsteht ein Bauteil mit räumlich variierenden Gefügeeigenschaften ohne die scharfen Trennfugen klassischer Verbundwerkstoffe.
Ein wichtiges Anwendungsfeld sind Werkzeuge und Verschleißschutzkomponenten. Hier werden beispielsweise sehr harte Oberflächen mit einem duktileren Unterbau kombiniert, um einerseits Abrieb zu minimieren und andererseits Bruch oder Abplatzungen zu vermeiden. Ähnliches gilt für Bauteile, die thermisch stark belastet werden. Dort können Gradienten der Wärmeleitfähigkeit oder der Wärmeausdehnung eingesetzt werden, um Spannungen zu reduzieren und die Lebensdauer zu erhöhen. Die Herstellung dieser Gradientenwerkstoffe stellt hohe Anforderungen an die Pulvermischung und die Formgebung. Die lokalen Zusammensetzungen müssen dabei reproduzierbar erreicht werden. Dabei sind Mischgüte, Partikelgrößenverteilung und Fließeigenschaften der Pulver entscheidend. Präzisionspulvermischer helfen dabei, definierte Pulverkombinationen für einzelne Zonen bereitzustellen. In einem zweiten Schritt müssen diese Zonen so gefüllt und verdichtet werden, dass der gewünschte Gradient im Bauteil entsteht.
Gradientenwerkstoffe bilden eine Schnittstelle zwischen Pulvermetallurgie, Keramiktechnik und Verbundwerkstoffen. Ähnliche Konzepte werden bei Hartmetallen, Cermets und Hochleistungskeramiken genutzt, um unterschiedliche Eigenschaftsprofile in einem Bauteil zu kombinieren.